

Der Vollblutaraber
Der Vollblutaraber (AV) gilt als älteste rein gezüchtete Pferderasse der Welt.
Seine Fähigkeit, Freizeit- und Sportreiter gleichermassen zu begeistern und seine Beliebtheit als Veredler verdankt er aussergewöhnlicher Eleganz und Schönheit, seiner Härte und einem dem Menschen zugewandten Wesen. Über Jahrhunderte hat er vielen Warm- und Kaltblutrassen nicht nur Ausdauer, Charakter, Intelligenz und Schönheit mitgegeben, sondern viele Zuchten überhaupt erst möglich gemacht. So verdankt das englische Vollblut seine Existenz zu grossen Teilen dem arabischen Pferd.
Im Rassetyp zeigt sich der Vollblutaraber in einer harmonischen Gesamterscheinung und besticht durch Adel, trockenes Fundament sowie einen edlen Kopf mit grossem, lebhaftem Auge und breiter Stirn. Eine vorzügliche Konstitution, grosse Umgänglichkeit, ein ausgeglichener, freundlicher Charakter, Langlebigkeit, Fruchtbarkeit, Sensibilität, Lernfähigkeit aber auch hohe Reaktionsfähigkeit und nicht zuletzt seine Prägung auf den Menschen, machen ihn zu einem idealen Sport-, Freizeit- und Familienpferd.
Die Gründung der SZAP vor über 50 Jahren...
Noch 1841 schrieb Reuscher in „Das Pferd und die verschiedenen Rassen desselben“: „Das edle Pferd ist für den Gebrauch in der Schweiz viel zu lebhaft, feurig, unstät, flatterhaft und unvorsichtig, da es nur immer vorwärts strebt, ohne die gefährlichen Abgründe zu beachten, die bald seinen und des Reiters Untergang herbeiführen würden ...“ Kein Wunder dauerte es bei derartigen Vorbehalten bis in die 1970er-Jahre, bis sich die Zucht des arabischen Pferdes in der Schweiz etablieren konnte.
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Wann genau die erstenarabischen Pferde in die Schweiz kamen, ist nicht bekannt, jedoch geben Zeitungsinserate aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert Hinweise darauf. Namentlich bekannt ist dann Baron Emil von Gillmann, der eine sehr angesehene Reitschule in Basel unterhielt und der 1887 im Königlichen Privatgestüt Weil zu Württemberg einen Vollblutaraber kaufte. Zwei weitere folgten. Auch ein O. Fritz aus Basel kaufte zwischen 1890 und 1896 wenigstens fünf Pferde aus Weil, und 1897 waren die Gebrüder Bloch aus Zürich unter den Käufern. Was aus diesen Pferden geworden ist, lässt sich nicht mehr feststellen, sie wurden allem Anschein nach als Reitpferde genutzt, nicht in der Zucht.
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Von der Weiler Stute Solitude (Demir Kaja / Soldateska) *1924 sowie von den erstaunlich zahlreichen Importen in den 1950er- und 1960er-Jahren aus dem Hauptund Landgestüt Marbach oder dem Hengst Raschid (Halef / Rozka) *1951 aus Achental kennt man zwar Namen und Abstammungen, aber damit verliert sich die Spur auch schon wieder, und Informationen zu ihrem Verbleib oder allfällige Nachzucht sind nicht zu finden. Und obwohl jedem Schweizer Pferdefreund bekannt ist, dass unser National-Circus Knie für seine Freiheitsdressuren immer wieder auf arabische Hengste zurückgreift, war damit nie eine Zucht verbunden und die meisten dieser wunderbaren Pferde blieben in der Öffentlichkeit unbekannt.

Shah Jehan 1975 in Avenches

Maralein 1975 in Avenches
Die SZAP wird gegründet
1966 führte Leni Walter-Gurzeler den Marbacher Vollblutaraber Haladin (Halef / Jadine) *1952 ein, kurz danach folgten 1969 mit dem Zuzug von Eberhard und Brigitte Stromeyer in die Schweiz der Hengst Maralein (Alamein / Marzabane) *1954, die Stute Koljah (Wisznu / Comtesse) *1955 und beider Sohn Khayyam (*1964).
Ab 1972 gab es Bemühungen aus einer Gruppe um Leni Walter-Gurzeler, Dr. Adolf Willener und Ernst Gygax über Inserate in der Fachpresse weitere Interessierte zu finden, um einen Verband für arabische Pferde zu gründen. Melden sollten sich Besitzer von Vollblutarabern, Anglo-Arabern, Arabern (später Shagya-Araber genannt) und Partbredpferden. Zu jener Zeit gab es in der Schweiz 32 Araberpferde, die Hälfte davon Vollblutaraber oder Shagya-Araber, die alle im deutschen Verband eingetragen waren, sowie einige Anglo- Araber und Partbreds verschiedener Herkunft.
Am 6. Mai 1973 trafen sich schließlich 56 Freunde des arabischen Pferdes im Hotel Schweizerhof in Olten und gründeten die Schweizer Zuchtgenossenschaft für Arabische Pferde (SZAP), gemäß den Bestimmungen des Schweizerischen Obligationenrechts (OR). Als Tagespräsident amtierte Hektor Leuenberger, Direktor des Eidgenössischen Gestütsin Avenches, der die Gründung eines Araberverbandes unterstützte, gleichzeitig aber darauf hinwies, dass diese Zucht ohne die aus der Warmblut- und Freibergerzucht bekannte finanzielle Unterstützung und ohne staatliche Weidehaltung für Fohlen oder Hengsthaltung durch den Bund auskommen müsse.
Gewählt wurden als Präsident Kurt Künzi, als Aktuar Hans-Ruedi Walter, als Kassier Henoch Zuber, als Beisitzer Hans Stucki und als Stutbuchführerin Leni Walter. Außerdem wurden Eberhard Stromeyer zum Zuchtkommissionspräsidenten und Hans Hartmann sowie Fritz Sigg in die Zuchtkommission bestimmt.

1957 kam der Vollblutaraberhengst Doktryner (Miecznik / Blaga) aus dem polnischen Michalow ins Eidgenössische Gestüt Avenches. Man versuchte mit Araberblut den Freiberger umzuzüchten, um aus ihm ein modernes, marktgängiges Freizeitpferd zu machen. Doktryner ging 1964 nach Polen zurück.

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